Lerne die drei Hauptarten von Versicherungen kennen, unterscheide die wichtigsten Policen und verstehe Prinzipien wie Bonus-Malus, Haftung und Selbstbehalt.
Alle Versicherungen lassen sich in drei grosse Gruppen einteilen – je nachdem, was versichert ist:
Versichern Schäden, die du anderen zufügst. Sie schützen dein Vermögen vor Schadenersatzforderungen.
Frage: «Ich habe jemandem etwas kaputt gemacht – wer zahlt?»
Versichern deine eigenen Sachen (Gegenstände, Eigentum) gegen Beschädigung, Zerstörung oder Diebstahl.
Frage: «Meine Sachen sind beschädigt – wer ersetzt sie?»
Versichern den Menschen selbst – Gesundheit, Leben, Arbeitsfähigkeit und Existenz.
Frage: «Mir selbst ist etwas passiert – wer hilft mir?»
Klicke auf eine Versicherung, um Besonderheiten und Beispiele zu sehen. Beachte jeweils, ob sie obligatorisch oder freiwillig ist und zu welcher Hauptart sie gehört.
Haftpflicht obligatorisch
Wer ein Fahrzeug einlöst, muss diese Versicherung haben. Sie deckt Schäden, die du mit deinem Fahrzeug anderen zufügst (fremde Autos, Personen, Sachen).
Du fährst aus Unachtsamkeit in ein anderes Auto. Die Reparatur des fremden Autos zahlt deine Motorfahrzeug-Haftpflicht. Dein eigenes Auto ist damit aber nicht gedeckt – dafür bräuchtest du eine Kaskoversicherung.
Haftpflicht freiwillig (empfohlen)
Deckt Schäden, die du im Privatleben anderen zufügst – im Alltag, beim Sport, als Mieterin oder Mieter.
Du lässt beim Kollegen aus Versehen das Handy fallen oder verursachst einen Wasserschaden in der Mietwohnung. Die Privathaftpflicht übernimmt den Schaden – das kann schnell mehrere Tausend Franken ausmachen.
Sachversicherung freiwillig
Versichert dein eigenes Fahrzeug:
Ein Hagelsturm verbeult dein Auto → Teilkasko zahlt. Du fährst selbstverschuldet gegen einen Pfosten → nur die Vollkasko zahlt den Schaden am eigenen Auto.
Sachversicherung freiwillig
Versichert deinen gesamten Hausrat (Möbel, Kleider, Elektronik) gegen Feuer, Wasser, Diebstahl und Elementarschäden.
Bei einem Wohnungsbrand verbrennen deine Möbel und dein Laptop. Die Hausratversicherung ersetzt den Wert. Achtung: nicht mit der Haftpflicht verwechseln – Hausrat = eigene Sachen.
freiwillig
Übernimmt Anwalts- und Gerichtskosten, wenn du in einen Rechtsstreit gerätst (z. B. mit Arbeitgeber, Vermieter, nach einem Verkehrsunfall).
Dein Arbeitgeber zahlt deinen letzten Lohn nicht aus. Die Rechtsschutzversicherung übernimmt die Kosten für die rechtliche Durchsetzung deiner Forderung.
Personenversicherung
Ein Spitalaufenthalt in der allgemeinen Abteilung wird von der Grundversicherung gedeckt. Möchtest du ein Einzelzimmer, brauchst du eine Zusatzversicherung.
Personenversicherung obligatorisch (für Arbeitnehmende)
Deckt die Folgen von Unfällen (Heilungskosten, Lohnausfall). Wer mehr als 8 Stunden pro Woche beim gleichen Arbeitgeber arbeitet, ist über den Betrieb auch gegen Nichtberufsunfälle versichert (oft bei der Suva).
Du verletzt dich beim Fussball in der Freizeit. Als Lernende:r mit genügend Arbeitspensum übernimmt die obligatorische Unfallversicherung des Betriebs die Heilungskosten.
| Versicherung | Hauptart | Pflicht? |
|---|---|---|
| Motorfahrzeug-Haftpflicht | Haftpflicht | Obligatorisch |
| Privathaftpflicht | Haftpflicht | Freiwillig (empfohlen) |
| Kasko (Teil/Voll) | Sach | Freiwillig |
| Hausrat | Sach | Freiwillig |
| Krankenversicherung (Grund) | Person | Obligatorisch |
| Unfallversicherung | Person | Obligatorisch (Arbeitnehmende) |
| Rechtsschutz | Vermögen / übergreifend | Freiwillig |
Vor allem bei der Motorfahrzeugversicherung wird die Prämie an dein Verhalten angepasst: Wer unfallfrei fährt, wird belohnt (Bonus) – wer Unfälle verursacht, zahlt mehr (Malus).
Für jedes schadenfreie Jahr sinkt deine Prämienstufe – du zahlst weniger Prämie.
Verursachst du einen Schaden, steigst du mehrere Stufen hoch und zahlst in den Folgejahren eine höhere Prämie.
Das Bonus-Malus-System belohnt vorsichtiges Fahren finanziell. Deshalb lohnt es sich oft, kleine Schäden selbst zu bezahlen, statt sie der Versicherung zu melden – sonst steigt die Prämie über Jahre stärker an als der Schaden gekostet hat.
Bei einem Schaden stellt sich die Frage: Wer haftet – und warum? Im Schweizer Recht unterscheidet man zwei Grundprinzipien:
Man haftet nur, wenn man den Schaden schuldhaft verursacht hat – also durch Absicht oder Fahrlässigkeit.
Kernfrage: «Habe ich einen Fehler gemacht?»
Man haftet unabhängig vom Verschulden, allein weil man eine bestimmte Rolle hat oder eine Gefahrenquelle betreibt. Es reicht der ursächliche Zusammenhang.
Kernfrage: «Geht der Schaden ursächlich auf mich/meine Sache zurück?»
Du schaust beim Velofahren aufs Handy und fährst in ein parkiertes Auto. Du haftest, weil du fahrlässig gehandelt hast – du hast einen Fehler gemacht.
Als Hundehalterin haftest du, wenn dein Hund jemanden beisst – auch wenn du alles richtig gemacht hast. Ebenso haftet der Halter eines Autos für Betriebsschäden, unabhängig vom persönlichen Verschulden. Es zählt der ursächliche Zusammenhang mit deiner Rolle/Gefahrenquelle.
Wie in Teil 1 gelernt: Franchise und Selbstbehalt sind der Teil, den du im Schadenfall selbst trägst. Sie beeinflussen direkt die Prämienhöhe.
Je mehr du selbst trägst (hohe Franchise / hoher Selbstbehalt), desto tiefer ist deine Prämie. Je weniger du selbst tragen willst, desto höher die Prämie. Du wählst also, wie viel Risiko du selbst behältst und wie viel du übergibst.
Bei einem Kaskoschaden gilt ein Selbstbehalt von 1'000 CHF. Die Reparatur kostet 4'500 CHF. Wie teilt sich die Rechnung auf?
1. Zu welcher Hauptart gehört die Hausratversicherung?
2. Du verschuldest selbst einen Unfall und beschädigst dein eigenes Auto. Welche Versicherung zahlt den Schaden am eigenen Auto?
3. Wie funktioniert das Bonus-Malus-System?
4. Dein Hund beisst einen Passanten, obwohl du nichts falsch gemacht hast. Welches Haftungsprinzip greift?
5. Ein Kaskoschaden kostet 3'000 CHF, der Selbstbehalt beträgt 500 CHF. Wie viel zahlt die Versicherung?