Verstehe, wozu Versicherungen da sind, wie das Solidaritätsprinzip funktioniert und was Begriffe wie Prämie, Selbstbehalt und Franchise wirklich bedeuten.
Eine Versicherung ist eine Vereinbarung, mit der du ein finanzielles Risiko an eine Versicherungsgesellschaft abgibst. Du zahlst regelmässig einen kleinen Betrag (die Prämie) – und dafür übernimmt die Versicherung die Kosten, falls ein bestimmter Schaden eintritt.
Im Risikomanagement gibt es vier Strategien: Vermeiden, Vermindern, Übertragen und Akzeptieren. Eine Versicherung ist das klassische Werkzeug, um ein Risiko zu übertragen: Das finanzielle Risiko wird von dir auf die Versicherung verschoben.
Lea, 18, hat beim Velofahren aus Versehen ein parkiertes Auto zerkratzt. Die Reparatur kostet 2'400 CHF. Weil sie eine Privathaftpflichtversicherung hat, übernimmt diese den Schaden – Lea muss nur einen kleinen Selbstbehalt zahlen. Ohne Versicherung hätte sie die ganzen 2'400 CHF selbst bezahlen müssen.
Versicherungen funktionieren nach dem Solidaritätsprinzip: Viele zahlen ein – wenige werden ausbezahlt. Alle Versicherten zahlen Prämien in einen gemeinsamen «Topf». Aus diesem Topf werden die Schäden jener bezahlt, die tatsächlich ein Schadenereignis haben.
Sehr viele Menschen zahlen regelmässig eine überschaubare Prämie ein. Für die Einzelne ist das gut tragbar.
Nur wenige haben pro Jahr tatsächlich einen Schaden. Diese erhalten aus dem gemeinsamen Topf eine oft hohe Auszahlung – mehr, als sie selbst eingezahlt haben.
Das Risiko wird auf viele Schultern verteilt. So muss niemand allein einen existenzbedrohenden Schaden tragen. Das nennt man auch Risikogemeinschaft.
In der Schweiz sind manche Versicherungen gesetzlich vorgeschrieben (obligatorisch) – andere kannst du freiwillig abschliessen.
Vom Gesetz vorgeschrieben. Jede betroffene Person muss diese Versicherung haben.
Frei wählbar. Oft sehr empfehlenswert, aber keine gesetzliche Pflicht.
Die Privathaftpflichtversicherung ist zwar freiwillig, wird aber praktisch allen empfohlen – ein einziger grosser Schaden (z. B. ein Wasserschaden in der Mietwohnung) kann mehrere Zehntausend Franken kosten.
Diese vier Begriffe musst du sicher unterscheiden können – sie kommen in jeder Prüfung vor:
| Begriff | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| Prämie | Der regelmässige Betrag, den du für die Versicherung bezahlst (monatlich oder jährlich). | 320 CHF pro Monat für die Krankenkasse |
| Franchise | Der jährliche Betrag, den du bei einem Schaden zuerst selbst bezahlst, bevor die Versicherung etwas übernimmt. | Krankenkasse-Franchise von 300 CHF pro Jahr |
| Selbstbehalt | Der Anteil der Kosten, den du zusätzlich zur Franchise selbst trägst – meist ein Prozentsatz. | 10 % der Kosten über der Franchise (max. 700 CHF/Jahr) |
| Versicherungspolice | Das Vertragsdokument, das alle Bedingungen festhält: was, wie lange und zu welchen Konditionen versichert ist. | Das Schreiben deiner Versicherung mit allen Deckungen |
Die Prämie ist dein «Beitrag in den Topf». Sie hängt vom Risiko ab: Je höher die Wahrscheinlichkeit oder der mögliche Schaden, desto höher die Prämie.
Eine Krankenkassen-Prämie beträgt 310 CHF pro Monat. Wie viel zahlst du pro Jahr?
Lösung: 310 CHF × 12 Monate = 3'720 CHF pro Jahr.
Bei einem Schaden zahlst du zuerst die Franchise komplett selbst. Vom Betrag darüber übernimmst du zusätzlich noch den Selbstbehalt (Prozentanteil). Den Rest zahlt die Versicherung.
Nina hat eine Franchise von 300 CHF und 10 % Selbstbehalt. Ihre Arztrechnungen betragen dieses Jahr 1'300 CHF. Wie viel zahlt sie selbst?
Nina zahlt total: 300 + 100 = 400 CHF.
Die Police ist dein Vertrag. Darin steht unter anderem:
Tipp: Bevor du etwas unterschreibst, immer die Police genau lesen – besonders, was nicht versichert ist (Ausschlüsse).
Bei der Krankenkasse kannst du deine Franchise selbst wählen. Höhere Franchise = tiefere Prämie, aber im Schadenfall zahlst du mehr selbst. Die Wahl hängt davon ab, wie oft du voraussichtlich zum Arzt gehst.
Wer selten krank ist, fährt mit einer hohen Franchise (tiefe Prämie) günstiger. Wer regelmässig Arztkosten hat, wählt besser eine tiefe Franchise.
1. Was beschreibt das Solidaritätsprinzip?
2. Welche Versicherung ist in der Schweiz obligatorisch?
3. Was ist die «Prämie»?
4. Deine Franchise beträgt 300 CHF, der Selbstbehalt 10 %. Du hast Arztkosten von 800 CHF. Wie viel zahlst du selbst?
5. Was passiert mit der Prämie, wenn du eine höhere Franchise wählst?