Prüfungsaufgabe 2

Risikomanagement Fallstudie

Wende die Theorie von Risiko & Sicherheit auf einen praktischen Alltagskomplex an.

📝 Fallstudie: "Gian's neue e-Scooter"

Der 19-jährige Anlagebauer Gian im 3. Lehrjahr möchte seinen Arbeitsweg (ca. 4 km in der Stadt) beschleunigen. Da er in der letzten Woche viel Werbung für e-Scooter gesehen hat und alle Freunde einen fahren, bestellt er sich spontan einen "TurboTronX90", der bis zu 45 km/h fahren könnte, den er aber per App gemäss Schweizer Gesetzgebung auf 20 km/h drosseln muss. Gian sagt seinen Kollegen: "Mit 20km/h brauche ich keinen Helm, da kann überhaupt nichts passieren. Beim letzten Mal als mein Kollege gestürzt ist, war die Strasse einfach glatt. Das lag nicht an seiner Fahrweise. Mich stört nur, dass ich nun noch eine Versicherung organisieren müsste. Und ausserdem fahre ich ja besser als die anderen!"

Teil A: Risikowahrnehmung

1. Einflussfaktoren der Risikowahrnehmung: Identifiziere aus dem Text drei verschiedene psychologische Ursachen oder Bias (Einflussfaktoren), weshalb Gian sein Risiko so tief einschätzt.

💡 Musterlösung:

  1. Verfügbarkeitsheuristik / Medienpräsenz: Er hat viel Werbung gesehen, deshalb war dieses Gefährt besonders präsent in seinem Kopf.
  2. Soziales Umfeld (Gruppendruck): "Alle seine Freunde fahren einen e-Scooter". Dies lässt ihn glauben, dass die Handlung harmlos oder gängig sei.
  3. Optimismus-Bias / Illusion der Kontrolle: Er behauptet, er sei besserer Fahrer als die anderen und schätzt die eigenen fahrerischen Fähigkeiten unrealistisch hoch ein ("Da kann überhaupt nichts passieren").

2. Persönlich oder Gesellschaftlich? Gian redet von seinem Helm und seiner Versicherung. Handelt es sich bei diesem Risiko vorwiegend um ein persönliches (individuelles) oder um ein gesellschaftliches Risiko? Begründe deine Antwort in zwei bis drei Sätzen.

💡 Musterlösung:

«Es handelt sich vorwiegend um ein persönliches (individuelles) Risiko. Das Risiko betrifft hauptsächlich Gian selbst (seine körperliche Sicherheit bei Stürzen). Er kann es komplett selbst durch Eigenverantwortung steuern – indem er zum Beispiel sich für das Tragen eines Helmes, ein reduziertes Tempo oder vorsichtige Fahrweise entscheidet.»

Teil B: Risiko bewerten und Massnahmen

3. Der Begriff "Risiko": Erkläre formal mit der Basis-Gleichung, wieso das Unfallrisiko von Gian auf dem eScooter nicht zwingend kleiner ist, nur weil er die maximale Geschwindigkeit auf 20 km/h beschränkt hat.

💡 Musterlösung:

«Ein Risiko berechnet sich aus der Formel: Risiko = Wahrscheinlichkeit × Schadensausmass. Auch wenn das Tempo gedrosselt ist und der Schaden dadurch bei einem potenziellen Unfall kleiner ausfällt (geringere Wucht), bleibt die Wahrscheinlichkeit extrem hoch – beispielsweise, da er eine schwache Fahrpraxis haben könnte oder den Helm weglassen will (was bei einem Kopfanprall wiederum das Schadensausmass trotz tiefer Geschwindigkeit extrem erhöht).»

4. Risikomanagement-Massnahmen: Welche vier klassischen Steuerungs-Massnahmen kennt man aus dem Risikomanagement? Fülle die Matrix mit realen Lösungsbeispielen für Gian aus!

Massnahme-StrategieWie könnte Gian das konkret anwenden?
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💡 Musterlösung:

  • Vermeiden: Gian gibt seinen e-Scooter zurück und geht weiterhin per Bus/zu Fuss zur Arbeit. (Risiko komplett weg).
  • Vermindern: Gian absolviert ein Fahrtraining, kontrolliert regelmässig den Motor, kauft sich Leuchtmittel und zieht konsequent und freiwillig einen Helm an.
  • Übertragen: Gian schliesst pflichtgemäss die vorgeschriebene Haftpflicht- und Unfallversicherung ab, damit die finanziellen Folgekosten des Unfalls von der Suva/Versicherung bezahlt werden.
  • Akzeptieren: Er entscheidet sich trotz des noch kleinen Restrisikos von Schürfwunden (die beim vorsichtigen Fahren bleiben) für die eScooter-Nutzung und geht damit bewusst seine Gefahren auf dem Arbeitsweg ein.